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Entstehungsgeschichte des Vereins Mahnmal Kilian

U-Boot-Bunkerruine "Kilian" im Nebel
Bunkerruine "Kilian" im Nebel

1995 gründete der Kieler Journalist und Kunstwissenschaftler Jens Rönnau zusammen mit Kieler Bürgern den Verein "Mahnmal Kilian", um die Ruine des U-Boot-Bunkers "Kilian" auf dem Kieler Ostufer als ein eindrucksvolles Mahnmal aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu erhalten. Damit sollten auch Bestrebungen für einen geplanten Abriss des eingetragenen Kulturdenkmals verhindert werden. Für die jüngeren Generationen sind derartige Ruinenstätten wichtige Orte der Anschauung, da sie authentisch und ungeschönt ein Stück vergangener Kriegswahrheit vermitteln können.

Ein Denkmal waren die "Kilian"-Trümmer auch in dem Sinne, dass hier Hunderte Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zum Bunkerbau gezwungen worden waren. Der Bunker ist zudem ein Kriegsgrab, da ein U-Boot mit fünf Menschen an Bord noch in den letzten Kriegstagen von einer Bombe getroffen wurde. Es versank im Bunker und konnte vor dessen Sprengung durch die Alliierten am 25. Oktober 1946 nicht geborgen werden.

U-Boot-Bunkerruine "Kilian" - Uferseite
Bunkerruine "Kilian" - Uferseite

So begann der Verein damit, die "Kilian"-Überreste interessierten Menschen in Führungen zugänglich zu machen: Schulklassen wurden bei ihrer künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit am Ruinendenkmal unterstützt. Eine Andacht - von Musik begleitet - fand auf den Betonblöcken statt, während das Auditorium auf einer Barkasse zuhörte. Künstler wurden eingeladen, um mit Hilfe von Lichtinstallationen die Bunkerruinen optisch zu verfremden oder herauszuheben. Um die Bunkerruinen auch als Kriegsgrab ins Bewusstsein zu heben, brachte der Verein in Absprache mit Angehörigen der Toten fünf Kreuze auf den Trümmern an.

1999 erhielt der Verein für sein Engagement um den Erhalt des U-Boot-Bunkers "Kilian" als Mahnmal, Gedenkstätte und Kriegsgrab den Deutschen Preis für Denkmalschutz.

Trotz aller Bemühungen entschieden letztendlich wirtschaftspolitische Interessen das Schicksal dieses Mahnmals.

Vom "Kilian" zum "Flandernbunker" - Ein Neubeginn

2000 wurden die unter Denkmalschutz stehende Bunkerruinen zugunsten der Erweiterung des Kieler Ostuferhafens eingeebnet. Obwohl der Verein die Bunkerruinen ins Zentrum vielfältiger Aktivitäten stellte und sich intensiv um ihre Erhaltung bemühte, konnte er dies nicht verhindern. Ein eindrucksvolles Zeugnis des Kriegswahnsinns wurde damit für immer vernichtet.

Südseite des Flandernbunkers mit Osteingang (rechts) im Juli 2004 - Einsprengungen in der Bunkerwand
Flanderbunker im Juli 2004

2001 erwarb der Verein durch Ersteigerung für rund 30.000 DM den sogenannten "Flandernbunker", einen ehemaligen Marine-Hochbunker am Ende der Kiellinie am Tirpitzhafen. Der "Flandernbunker" steht nun im Zentrum der Tätigkeit des Vereins als Begegnungs- und Bildungsstätte, Museum, Mahnmal und Denkort.

Der Verein "Mahnmal Kilian" kooperiert bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen mit vielen verschiedenen Menschen, Vereinen und Institutionen. So sind im Flandernbunker neben den regelmäßigen Führungen wissenschaftliche Vorträge, Lesungen und Diskussionen zu erleben. Es finden Kunstausstellungen, Film- und Theatervorführungen statt, die gegenüber Krieg und Gewalt sensibilisieren sollen.

Das Kriegszeugenprojekt

Krieg wird in abstrakt empfundenen Geschichtszahlen nicht wirklich fassbar. Was es bedeutet, in Kriegszeiten gelitten zu haben, kann nur durch Schilderungen der Zeitzeugen begreifbar gemacht werden.

Interview eines Zeitzeugen
Interview eines Zeitzeugen

Das "Kriegszeugenprojekt", das der Verein seit 2005 in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Kiel im Rahmen von "Arbeitsgelegenheiten" für Langzeitarbeitslose, dem Offenen Kanal und dem Kieler Stadtmuseum durchführt, ermutigt ältere Menschen, von ihrem persönlichen Schicksal während des Zweiten Weltkrieges zu berichten, damit jüngere Generationen die Grauen des Krieges begreifen und erkennen können, welchen Wert Frieden, Freiheit und Demokratie haben. Im Rahmen dieses Projektes werden die Erzählungen dokumentiert, ausgewertet und mit Zustimmung der Zeitzeugen veröffentlicht. Hinzu kommen historische Dokumente der Zeitzeugen, wie Bilder, Briefe etc., die das damalige Geschehen veranschaulichen.

Das Wissen einer Generation, welche die Schrecken eines Weltkrieges aus eigener Erfahrung kennt, bleibt somit für die nachfolgenden Generationen erhalten.

Aus der Geschichte für die Zukunft lernen

Dem Verein "Mahnmal Kilian" geht es nicht nur um die Thematik des Zweiten Weltkriegs, sondern auch um die aktuellen Konfliktherde in vielen Gegenden der Welt. Daher tritt der Verein grundsätzlich für Völkerverständigung, Friedensförderung und Gewaltprävention ein.

Durch das Kriegszeugenprojekt und dem Flandernbunker als Ort der Bildung und der Völkerverständigung wird ein Zeichen gegen Krieg, Unterdrückung und Gewalt gesetzt. Hierzu bietet der Verein eine Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Einrichtungen, Kulturschaffenden und Interessierten an.