„Repeat After Me II“– Bewegendes Aktionsprojekt einer ukrainischen Künstlergruppe
Kunsthalle zu Kiel stellt im Flandernbunker aus
Ein völlig abgedunkelter großer Bunkerraum. Rotlicht. Wandfüllende Videoflächen zeigen Menschen, die Geräusche nachahmen: Töne fliegender Raketen und Drohnen, explodierender Bomben oder Gewehrsalven. Vor den Videos stehen Mikrofone, in die Ausstellungsbesuchende hinein nachahmen dürfen: „Repeat after me – sprich mir nach“ laden die Gefilmten ein, Ukrainerinnen und Ukrainer, die derzeit als Geflüchtete in anderen Ländern leben müssen.
Es ist eine außergewöhnliche Kunst-Ausstellung mit aktuellen politischen Bezügen zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine und in einer außergewöhnlichen Kooperation: Ausrichter ist die Kunsthalle zu Kiel in Partnerschaft mit dem Verein Mahnmal Kilian. „Repeat After Me II“ ist eine eindringliche Videoinstallation der ukrainischen Künstler-Gruppe „Open Group“, zu der aktuell Yuriy Biley, Pavlo Kovach, Anton Varga zählen. Ein erstes Mal zeigten sie ihre Installation auf der Venedig-Biennale 2024 im polnischen Pavillon. Damals wurde das Projekt kuratiert von Marta Czyż, die auch in diesem Jahr kooperiert mit der Kuratorin Muriel Meyer von der Kieler Kunsthalle. Meyer und ihr Team haben die Ausstellung nun zusammen mit dem Team des Vereins Mahnmal Kilian im Obergeschoss des Flandernbunkers inszeniert.
Klang und Erinnerung: Eine Karaoke der Kriegsgeräusche. Die Schau setzt sich intensiv mit den Erfahrungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auseinander. In den Filmen aus den Jahren 2022 und 2024 imitieren zivile Zeug*innen Kriegsgeräusche – als würden sie an einer Karaoke-Veranstaltung teilnehmen. Die aus der Erinnerung rekonstruierten Laute von Drohnen, Alarmsirenen, Panzern, Raketen und Abwehrsystemen verdichten sich zu einer eindringlichen Klangcollage, die sich zwischen Berührung und Ohnmacht bewegt. Der Ausstellungsraum selbst wird zum Karaoke-Setting, das die Besucher*innen einlädt, selbst zu Nachahmer*innen zu werden und das aktive Zuhören zu erleben.
Kunst steht hier im Dialog mit Geschichte, denn die Präsentation von Repeat After Me II in der historischen Kriegsarchitektur des Flandernbunkers verleiht der Arbeit eine besonders atmosphärische Dichte. Das zunächst harmlos wirkende Karaoke-Szenario verliert hier seine Unbefangenheit. Die Videoinstallation gibt Geflüchteten eine Stimme – dokumentiert von den Künstlern und in einen kollektiven Resonanzraum überführt.
Die Ausstellung ist ein Pop-up der Kunsthalle zu Kiel, die wegen der sanierungsbedingten Museumsschließung aktuell andere Häuser und den öffentlichen Raum bespielt. Die Ausstellung ist bis zum 20. September im Flandernbunker zu sehen – täglich von 10-17 Uhr.
Content Note
Die interaktive Multimedia-Installation zum Krieg in der Ukraine wird in einem historischen Bunker präsentiert. Durch das Zusammenspiel von Tonaufnahmen und Raumwirkung kann die Erfahrung intensiv sein. Bei sensiblen oder vorbelasteten Personen können Unbehagen, Angst oder belastende Erinnerungen ausgelöst werden.
Öffentliche Führungen in deutscher Sprache mit Liska-Malin Jensen
Jeweils Sonntags 15 Uhr
26. April, 17. und 31. Mai, 14. Juni, 26. Juli, 2., 16., 30. August, 6. und 20 September 2026
Ohne Anmeldung
Kosten: 6 €/ erm. 4 € (ink. Eintritt)
Eröffnung am Freitag, 24. April 2026, 18 Uhr
Es sprechen
Dr. habil Regina Goeckede, Komm. Direktorin Kunsthalle zu Kiel
Dr. Jens Rönnau, Leiter des Flandernbunkers
Im Anschluss Gespräch mit
Yuri Biley und Anton Varga, zwei der drei Künstler von Open Group
Marta Czyż, Kuratorin „Repeat After Me II“
Muriel Meyer, Kuratorin des Pop-up-Programms der Kunsthalle zu Kiel
Die Kunsthalle zu Kiel präsentiert im Flandernbunker die Zweikanal-Videoinstallation Repeat After Me II der ukrainischen Künstlergruppe Open Group (Yuriy Biley, Pavlo Kovach, Anton Varga). Die Arbeit, die im polnischen Pavillon der Biennale di Venezia 2024 von der Kuratorin Marta Czyż gezeigt wurde, setzt sich intensiv mit den Erfahrungen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auseinander.