Wiedersehen nach 75 Jahren

Warthegau-Schüler trifft seine ehemalige Kieler Lehrerin im Flandernbunker

Sa, 20.Juli, 16 Uhr

2008 veröffentlichte Ingelene Rodewald ein Buch über ihre Zeit als junge Lehrerin im besetzten Polen. Es endet mit einem Bericht über ein Massaker, dem 1945 ihre deutschen Schüler samt deren Angehörigen zum Opfer fielen. Wie sich jetzt herausstellte, haben zwei der Schüler durch rechtzeitige Flucht überlebt. Einer von ihnen, Herbert Geßwein, sowie der Sohn seines inzwischen verstorbenen Bruders Horst besuchen die alte Lehrerin jetzt im Kieler Flandernbunker.

Ingelene Rodewald als junge Lehrerin

Im März 1942 hatte Ingelene Rodewald ihre Erste Lehrerprüfung in Hamburg bestanden und wurde zum 1. April ins besetzte Polen geschickt, um Kinder von dort lebenden sogenannten Volksdeutschen und Umsiedlern zu unterrichten. Ihre Schule war ein leeres Gutshaus im Dorf Zarbysewo, das nach dem deutschen Überfall 1939 in Reichelsfelde umbenannt worden war. Es war eine einklassige Schule mit 25 Schülern. Sie wurden alle in einem Raum unterrichtet, was zu einer starken, fürsorglichen Gemeinschaft führte, weil sich alle gegenseitig halfen. Unter ihnen waren auch Horst und Herbert Geßwein, die schon seit Generationen dort gelebt hatten. Ihr Vater war der Bauernführer des Dorfes. Herbert besuchte die dritte Klasse, Horst die Oberstufe.

Georg Rodewald holte sie im September 1944 nach Kiel zurück und heiratete sie, als die sowjetischen Soldaten schon an der Weichsel standen. Es war gerade noch rechtzeitig - wenige Monate später waren Ingelene Rodewalds Schüler und Familien auf dem Schulhof erschlagen und verscharrt worden, 200 Menschen - ein Racheakt für das Leid, das Nazi-Deutschland im Osten angerichtet hatte. Jahrzehnte später schrieb Rodewald ein Buch über ihre Zeit in Polen, das mit dem Entsetzen über den Tod ihrer Schüler endet. Sein Titel: "... und auf dem Schulhof stand ein Apfelbaum".

Jetzt gelangte das Buch in die Hände von einst Betroffenen, denn es gab 1945 wohl doch Überlebende des Massenmords. Die Mutter von Horst und Herbert Geßwein war mit ihren Söhnen rechtzeitig geflüchtet und konnte so einige Leben retten. Der jüngere Bruder aber, Herbert Geßwein, macht sich am kommenden Sonnabend von Brandenburg aus auf nach Kiel, um seine ehemalige Lehrerin zu besuchen. Zusammen mit Bodo, dem Sohn seines 2012 verstorbenen Bruders Horst, will er im Flandernbunker über seine Schulzeit berichten. In einer spontanen Sonderveranstaltung wollen sie ihre Erinnerungen austauschen und Interessierten davon öffentlich berichten. 

Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Flandernbunker
Kiellinie 249
24109 Kiel

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